Ingwer – die Wurzel gegen Übles

Ingwer kennt jeder. Manche lieben ihn, manche verziehen beim ersten Bissen das Gesicht, als hätte man ihnen ein Geheimnis verraten, das sie nie erfahren wollten. Seine Schärfe ist kompromisslos, sein Duft unverkennbar – irgendwo zwischen Zitrone, Wärme und einer Ahnung von tropischem Abendwind.

Man trifft ihn in asiatischen Gerichten, in Lebkuchen, Limonaden, Glühwein und auf Jahrmärkten in Form von kandiertem Süßwerk, das wahlweise begeistert oder überfordert. Ein Gewächs, das selten die goldene Mitte sucht.

Ein Gewürz mit Geschichte – älter als jedes Rezeptbuch

Wie alt Ingwer ist, weiß niemand so recht. Er entzieht sich der Historie mit einer Eleganz, die fast unverschämt ist. Fest steht: Schon in mittelalterlichen Kräuterbüchern wird er erwähnt, lange zuvor in alten chinesischen Schriften. Sein Ursprung liegt in Südostasien – dort, wo feuchte Böden, warme Luft und grelles Licht seine Knolle in echte Lebensfreude verwandeln. Ingwer (Zingiber officinale) wächst als reich verzweigtes Rhizom: außen beige, innen golden. Zerreibt man ein Stück davon, strömt ein Duft auf, der an Zitrone erinnert – nur wärmer, süßer, lebendiger.

Ein Blick in die Botanik

Oberirdisch zeigt Ingwer schilfartige, schmale Blätter und gelb-grünliche Blüten, die in Mitteleuropa kaum jemand je in echt sieht. Er blüht schlicht selten, wenn er nicht gerade in den Tropen wohnt. Im Topf gedeiht er dennoch zuverlässig, solange man ihm Wärme, Licht und einen Platz ohne Frost gönnt. Man könnte sagen: Er ist anspruchsvoll – aber nicht nachtragend.

Was in der Knolle steckt

Ingwers Kraft kommt vor allem aus:

  • ätherischen Ölen (u. a. Zingiberol)
  • scharf schmeckenden Gingerolen
  • Shogaolen

Diese Stoffe wirken:

  • verdauungsfördernd
  • appetitanregend
  • durchblutungssteigernd
  • entzündungshemmend
  • schmerzlindernd
  • wärmend
  • immunstärkend
  • lindernd bei Übelkeit (auch Reiseübelkeit)

Eine ziemlich beeindruckende Liste für etwas, das aussieht wie ein leicht missgelaunter Kartoffel-Verwandter.

In Asien galt Ingwer als „Wärmer der Lebensenergie“ – ein Hüter der Mitte, der Körper und Geist in Balance bringt. Im Ayurveda trägt er den ehrwürdigen Titel Mahaushadhi – „das große Heilgewürz“. In arabischen Legenden wurde er als Zutat in paradiesischen Speisen beschrieben. Und europäische Seeleute nutzten ihn gegen Seekrankheit, als wäre er eine Mischung aus Mut, Medizin und Magie.

Kurz: Keine Kultur hat je über Ingwer gelächelt. Sie haben ihn eher verehrt.

Meine persönliche Erfahrung

Ingwertee ist für mich ein unscheinbarer Alltagsheld: zuverlässig bei grippalen Infekten, ein Meister der Magen-Darm-Beschwichtigung und ein Winterwärmer, der mich innen glühen lässt, ohne dass ich den Holzofen anwerfen muss.

Mein Standardrezept:

  • 1–2 cm frische Ingwerknolle klein hacken
  • mit heißem, nicht mehr kochendem Wasser übergießen
  • 10 Minuten ziehen lassen
  • nach Belieben mit Honig, Holunderblütensirup oder einer Prise Zimt verfeinern

(Und ja: Honig bitte erst unter 40 °C, sonst verwandelt sich sein Nährwert in einen müden Schatten seiner selbst.)

Alternativ ein TL Ingwersaft – ich schwöre auf „Die Ingwerianer“. Werbung aus Überzeugung, ohne Vorteile. Fair bleibt fair.

Sommer-Version? Eisgekühlt mit Zitrone und Minze. Ein Hauch Urlaub im Glas.

Weitere traditionelle Zubereitungen:

  • Ingwer-Honig: Lies hier dazu das Rezept im Beitrag Fermentierter Ingwer-Honig
  • Ingwer-Tinktur: 2–3 Wochen in Alkohol ziehen lassen – tropfenweise einsetzbar.
  • Ingwer-Zitronen-Shot: Ein kleiner Morgenstern für müde Tage.

Ingwer kann viel – aber er ist nicht die Reinkarnation von Dr. House. Ingwer ist kein Superstar, der Aufmerksamkeit braucht. Er liegt im Regal, runzelig und geheimnisvoll, wartet geduldig darauf, aus einer unscheinbaren Knolle ein kleines Wunder zu werden.

Also: Beim nächsten Einkauf einfach eine schöne, dicke Knolle einpacken. Für Tee. Für Küche. Für Wärme. Für den Winter, der uns gerne mal herausfordert.

Bleibt gesund, bleibt warm – und bleibt neugierig.

 


>> Wichtige Hinweise:

Ingwer enthält Bestandteile mit arzneilichen Wirkungen. So ist zum Beispiel nicht auszuschließen, dass Ingwer das Blutungsrisiko erhöht. Patienten, die eine vermehrte Blutungsneigung haben oder eine Therapie durchführen, die die Blutungsbereitschaft erhöht („Blutverdünnung“: Gerinnungshemmer, Thromboseprophylaxe), sollten sich vor der Anwendung von Ingwer unbedingt bei ihrem Arzt erkundigen, ob Ingwer für sie infrage kommt und was bei der Einnahme zu beachten ist. Auch andere Therapien könnte Ingwer beeinflussen. Daher ist es gut, in jedem Fall vorher mit dem Arzt darüber zu sprechen. Wer einen sensiblen Magen hat oder an Gallensteinen leidet, sollte Ingwer nicht einnehmen. Dies gilt ebenfalls für Schwangere. Denn Inhaltsstoffe aus Ingwer können Wehen auslösen. Auch stillende Frauen sollten sicherheitshalber keinen Ingwer anwenden. Beachten Sie bei Präparaten immer die Packungsbeilage. <<

Quelle: Apothekenumschau

 

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